Baum des Lebens

Ob die Menschen wie die Bäume
Ein Leben lang an einem Ort stehen können,
Ohne einen Schritt nach rechts oder nach links zu tun,
Weder vorwärts noch rückwärts,
Nur unendlich in den Himmel strebend
Oder sich ganz der Erde hingebend?
Ob die Menschen wie die Bäume,
Ein Leben lang unbeweglich bleiben können
Sich nur manchmal vom Hauch des Windes wiegen lassend
Staunend über die Welt?
Ob die Menschen wie die Bäume,
Mal klein und zerbrechlich,
Sich im Sturm beugen können, um ihm auszuweichen?
Oder mal groß und kräftig,
Krachend aber nicht schreiend,
Mit Schmerzen, aber ohne Stöhnen, auf den Boden fallen können,
Ohne zu leiden und ohne zu klagen?
Ob die Menschen wie die Bäume
Sich mit ihrer Vergänglichkeit abfinden können
Oder mit der Ewigkeit ihrer Weisheit?
Ob die Menschen sich ebenso leicht
Verwandeln und verändern können,
Ohne an eine Form gebunden zu sein?
Ob die Menschen wie die Bäume
Den natürlichen Tod so ruhig hinnehmen können
Wie den gewaltsamen Tod,
Ohne weder der Natur noch der Axt zu widerstehen?
Ob die Menschen wie die Bäume,
Schweigend sterben,
Demütig sterben,
Stehend sterben können?

Vorheriger Eintrag
"Mare Nectaris"
Nächster Eintrag
"Blätterfall"