Tagsüber in Basel, in den Träumen in der Ukraine

Am 24. Februar 2022 startete Russland seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Die ukrainisch-schweizerische Autorin Eugenia Senik spricht von einem existenziellen Krieg, der nun schon vier Jahre andauert und den die Ukraine nur mit weiterer internationaler Hilfe gewinnen kann.

Eugenia Senik, vor vier Jahren marschierte Russland in die Ukraine ein. Welche Gedanken stehen für Sie im Vordergrund, wenn Sie heute daran zurückdenken?

Für mich steht der Schock, den die Ukrainer*innen und mit ihnen die ganze Welt erlebt haben, im Vordergrund. Ich denke aber auch daran, dass zahlreiche westeuropäische Länder und die USA damals prognostiziert haben, dass die Ukraine nur wenige Tage standhalten wird. Dass dies nun schon seit vier Jahren gelingt, zeigt die Stärke der Ukraine, die dem Mut der Menschen an der Front und der Unterstützung internationaler Staaten zu verdanken ist und bis heute unbesiegt bleibt.

Haben Sie Kontakt zu Soldaten?

Viele Freunde von mir sind an die Front gegangen – im Wissen, dass sie wahrscheinlich nicht wieder zurückkommen werden. Jeder Abschied unter Freund*innen fühlt sich an wie ein Abschied für immer. Die jungen Menschen sind bereit, ihr Leben zu geben, weil sie nicht nur ihren Staat verteidigen, sondern auch für Gerechtigkeit, Wahrheit, ihre Familien und die Demokratie einstehen.

Haben Sie das Gefühl, dass das internationale Interesse im Laufe der letzten Jahre abgenommen hat? 

Das Interesse an der Ukraine ist nach wie vor da, die Dringlichkeit und die Betroffenheit aber nehmen ab. Ich verstehe das, wenn man sich umschaut, was jetzt sonst so in der Welt passiert. Dennoch bleibt es wichtig, auch in der Schweiz weiter über die Ukraine zu sprechen und die Aufmerksamkeit darauf zu lenken. Einige Intellektuelle tun das, etwa der Schriftsteller Jürg Halter. Auch viele meiner Schweizer Freunde und Bekannten beziehen klar Stellung und unterstützen die Ukraine. Dafür bin ich ihnen dankbar.

Wie geht es den Freund*innen und Verwandten von Ihnen, mit denen Sie in Kontakt stehen?

Meine Schwester musste zwei Mal fliehen und lebt jetzt mit ihrer Familie im Winter in einem Haus, in dem sie kein Wasser und keine Elektrizität hat. Eine Freundin von mir erzählt, in ihrer Wohnung seien es zehn Grad. Im Winter ist es für die Menschen in der Ukraine besonders hart, da Russland gezielt Infrastruktur zerstört, um die Moral der Zivilbevölkerung zu brechen.

Das ganze Interview könnt ihr hier lesen


Weitere Texte findet ihr auf bajour.ch

Zurück
Zurück

Wie kann man die Menschen in der Ukraine unterstützen?

Weiter
Weiter

Drei Jahre Krieg